Kunststoffe

Definitionsversuch:
Kunststoffe sind Makromoleküle (Moleküle mit einer molaren Masse größer als 10000u), die entweder halbsynthetisch durch die chemische Behandlung von Naturprodukten oder vollsynthetisch hergestellt werden. Dadurch besteht die Möglichkeit, durch verschiedene Verfahren, gezielt Kunststoffe mit gewünschten Eigenschaften herzustellen.
Der Begriff "Makromolekül" stammt von H.Staudinger (1881-1965), der sich intensiv mit dem Thema "Kunststoffe" beschäftigte.
Die in der Natur vorkommenden Molekülketten (Kohlenhydrate) besitzen eine bestimmte Molekülmasse, im Gegensatz zu den Makromolekülen eines bestimmten Kunststoffes, diese sind von unterschiedlicher Kettenlänge.

Der Aufbau der Riesenmoleküle und deren Vernetzung bestimmt die Eigenschaften eines Kunststoffes, die chemische Zusammensetzung ist meist von untergeordneter Bedeutung.

Kunststoffe aus Naturstoffen sind chemisch veränderte Naturprodukte, diese haben weitgehend an Bedeutung verloren.

Kasein, das im Milcheiweiß zu finden ist, kann mit Formaldehyd zu Kunsthorn umgeformt werden. Cellulose läßt sich ebenfalls zu vielen Kunststoffen umformen, z.B. zu Celluloseacetat, Celluloid, Vulkanfiber usw.

Vollsynthetische  Kunststoffe werden durch verschiedene Verfahren z.B. Polyaddition, Polymerisation und Polykondensation gewonnen.

Man kennt weiche, elastische, zähe und spröde Kunststoffe. Sie zeichnen sich im Gegensatz zu Naturstoffen durch besondere Eigenschaften aus: Geringe Härte, hohe Dehnbarkeit, geringe Dichte, geringe Wärmeleitfähigkeit, große Schalldämpfung.

Kunststoffe können in ihren Eigenschaften sehr verschieden sein. Man unterscheidet drei große Gruppen aufgrund ihres Verhaltens beim Erwärmen:
Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere.
1. Thermoplaste:
Thermoplastische Kunststoffe wechseln in einem größeren Temperaturintervall vom weichen in den flüssigen Zustand, die Makromoleküle werden bei diesem Vorgang chemisch nicht verändert.
Bei hoher Temperatur lassen sich thermoplastische Kunststoffe in unterschiedliche Formen pressen, nach der Abkühlung gewinnt man ein festes Formteil, dieses Verfahren wird bei der Verarbeitung thermoplastischer Kunststoffe genutzt.
2. Duroplaste:
Duroplastische Kunststoffe werden bei hohen Temperaturen nicht weich oder flüssig.
Aus diesem Grund müssen sie bereits bei der Synthese die gewünschte Endform erhalten, nach dem Aushärten kann ein duroplastischer Gegenstand nur mechanisch bearbeitet werden.
3. Elastomere:
Elastomere verhalten sich bei mechanischer Belastung wie Gummi, sie lassen sich leicht verformen und kehren danach in ihrer ursprünglichen Form zurück.
Erwärmt man gespannte Elastomere, schrumpfen diese. Bei der Verarbeitung von Elastomeren werden sie unter Einwirkung von Hitze und Druck in der Endform synthetisiert.
 

Um brauchbare Kunststoffe zu erhalten, werden den polymeren Rohprodukten Hilfsstoffe zugesetzt, z.B:
- Weichmacher (z.B. Alkohole) beseitigen Härte und Sprödheit von Kunststoffen
- Füllstoffe (z.B. Holzmehl, Kreide, Ruß) verleihen mechanische Festigkeit, z.B. gegen Abrieb.
- Stabilisatoren verhindern das Altern der Kunststoffe, bedingt durch Wärme, Licht oder Sauerstoff.
- Gleitmittel verbessern die Verarbeitungsmöglichkeiten der Kunststoffe
- Farbstoffe verleihen ein schöneres Aussehen
- Antistatika setzen die statische elektrische Aufladung von Kunststoffolien herab.
 

Entdeckung und technische Gewinnung der Kunststoffchemie
 
Jahr Kunststoff Technische Gewinnung durch
1844 Linoleum E. Walton
1869 Celluloid T.H. Hyatt
1907/1909 Bakelit (Phenoplast) L.H. Bakeland
1913/1930 PVC F. Klatte
1928 Plexiglas D. Röhm
1935 Nylon W.H. Carothers
1938 Perlon Schlach

Weitere Informationen zur Geschichte der Kunststoffe gibt es unter der Adresse: http://www.sandretto.it/museo/tedesco/tperche.htm

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